Januar 16, 2013 · Eintrag unter: Archive, Informationsquellen, Schlesien  

Schematismus Titelseite
 

Bei der Schlesischen Digitalbibliothek habe ich in der letzten Zeit ein Dokument gefunde, das auch für andere eine gute Infoquelle sein könnte. Es geht hier um das Schematismus der öffentlichen katholischen und evangelischen Volksschulen des Reg.- Bez. [Regierungsbezirk] Oppeln (Statistik, Adressbuch). Eine übersichtliche Zusammenstellung aller kath[olischen] und evang[elischen] Schulen.

Das Dokument kommt aus dem Jahr 1911 und drin werden alle Volksschulen aus dem Regierungsbezirk Oppeln beschrieben.  Aber folgen Sie bitte den Link zu der Wikipedia – manche werden wohl erstaunt sein welche Kreise und Landkreise zu diesem Regierungsbezirk gehören: auch Pleß, Tost-Gleiwitz, Rybnik, Kattowitz usw.

Was ist drin?

/Zitat:/ Die Rubriken sind: Name des Schulortes. Servisklasse. Einwohnerzahl und deren Hauptbeschäftigung

  • a) Name und Entfernung der nächsten Poststation.
  • b) Name und Enfernung der nächsten Bahnstation. (Was für Weg!)
  • c) Namen der eingeschulten Ortschaften.
  • d) Gesamtzahl der Schüler und Klassen nebst Angabe der wochentlichen Unterrichtszeit,  aus welcher auch die Zahl der aufsteigenden Klassen leicht zn ersehen ist.
  • e) Namen der Lehrerwahlberechtigten und deren Stimmenzahl.
  • f) Name, Stand und Wohnung des Ortsschulinspektors.
  • g) Name des Lehrers and Angabe der amtlichen Stellung.
  • h) Sein Geburtstag.
  • i) Seminar und Abgangsjahr.
  • k) Seit wann am Orte tätig:
  • l) Kircheneinkomulen nach Abzug des 1400 Mk. betragenden Lehrergrundgehalts.
  • m) Ortszulagesatz bezw. Angabe, ob der Ort zulageberechtigt ist. Amtszulage der Hauptlehrer und Rektoren.
  • n) Zahl der heizbaren Zimmer und ihre Gesamtgröße in qm.
  • 0) Des Schulhauses Bauart und Baujahr.
  • p) Groöße des Gartens.
  • q) Landdotation. (Im Grundgehalt enthalten.)
  • r) Gründungsjahr der Schule.
  • s) Kommunalsteuer 1910.
  • t) Kirchensteuer 1910. (Beide in Prozenten als Zuschlag zur Einkommensteuer.
  • u) Wo und wie weit wohnt der nächste Arzt

So, das Werk ist mit “normalen” Schrift geschrieben, es ermutigt also es zu lesen. Ein alphabetisches Verzeiehnis der Lehrer und Lehrerinnen ist auch drin. Viel Spaß!

Oktober 22, 2012 · Eintrag unter: Archive, Informationsquellen, Standesamt  

Die polnische Behörden verstehen kein Spaß und betrachten jede Anfrage sehr ernst. Es ist eigentlich gut so, man will doch ernst genommen werden, oder? :)

Was sollen Sie darunter verstehen? Vor allem, dass die Anfragen mit allen Daten gestellt werden sollen. Selbst die Anfragen, die ganz harmlos und allgemein zu sein scheinen.

Ich wurde letztens gebeten bei einem Standesamt zu fragen, ob es dort die Geburtsurkunden von dem Jahr 1941 gibt. Ich habe schnell eine kurze E-mail mit dieser Frage zusammen gefasst und weg geschickt. Nach weniger Zeit habe ich eine Rückmeldung bekommen, leider ohne Antwort. Ich wurde aber darum gebeten meine genaue Daten an zu geben! Also vollständiger Name, Adresse usw. Und ich habe doch eine ganz harmlose, allgemeine Frage gestellt, die eigentlich nichts mit mir, meinen Recherchen oder meinen Vorfahren zu tun hatte!

Es klingt vielleicht etwas komisch, für manche ist es bestimmt selbstverständlich, aber wenn man sich schön vorstellt, erreicht man mehr.

Januar 26, 2012 · Eintrag unter: Informationsquellen, Schlesien  

Die Geschichte der Stadt Gleiwitz

Das Jahr 1886. Benno Nietsche, ein gleiwitzer Lehrer hat sein Werk beendet. Es war “Die Geschichte der Stadt Gleiwitz” wo er die vergangenen Jahrhunderte, wie auch die Gegenwart der Stadt in dem XIX Jh. gründlich beschrieben hatte. In den nächsten Jahrzehnten war das Buch eigentlich die wichtigste Quelle für alle, die sich für die Geschichte von Gleiwitz interessierten.

Auch der neugierige Leser in dem XXI Jh. kann sich selbst ein Bild von dem Werk machen. Das Buch ist in der Schlesischen Digitalen Bibliothek zu finden.

Nach 1945 wurde das Werk eigentlich vergessen, die meisten Exemplare wurden vernichtet oder sind verloren gegangen. Unter den Historikern galt es aber immer noch als eine wertvolle Monographie.

Warum ich das schreibe?
Jetzt, 125 Jahren nach der Veröffentlichung des Originals (genau am 20.01.2012) stellt das Museum in Gleiwitz die polnische Übersetzung vor: „Historia miasta Gliwice”. Diese Ausgabe wurde (im Gegensatz zu dem Original) mit zahlreichen Abbildungen versehen und sehr schön ausgegeben.

Zur Zeit kann man das Buch nur in Gleiwitz kaufen – in dem Museum (Willa Caro), in dem örtlichen Informationszentrum (Kino Bajka, ul. Dolnych Wałów 3) und in 2 Büchereien. Format 33 x 24 cm, 559 Seiten, kostet 139,90 PLN.

Mehr dazu: http://www.muzeum.gliwice.pl/historia-miasta-gliwice/

Ich habe das Buch noch nicht gesehen, geschweige gelesen. Aber wenn ich nur das Inhaltsverzeichnis des Originals lese, hoffe ich auf eine interessante Lektüre. Sieht selbst einige Punkte:

  • Entwicklung slavischer Stämme zu Staaten
  • Oberschlesien unter polnischen Herrschaft 999 – 1201
  • Oberschlesien unter eigenen Fürsten 1202 – 1327
  • Die Hussitenkriege
  • Innere Geschichte von Gleiwitz von 1355 – 1596. Topographie der Stadt.
  • Die Bewohner
  • Gleiwitz von 1596 – 1740. Der große Brand 1601. Belagerung von Gleiwitz 1626.
  • Gleiwitz unter preußischer Herrschaft. 1740 bis jetzt.
  • Schlesische Kriege
  • Bau der oberschelischen Eisenbahn.
  • Die evangelische, jüdische und alkatholische Gemeinden
  • Das Kaiserliche Post- und Telegraphenamt

Das neue Buch ist wie gesagt in der polnischen Sprache ausgegeben. Aber vielleicht werde ich dadurch Ihr Interesse auch an dem alten Werk wecken. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert!

Oktober 23, 2011 · Eintrag unter: Archive, Informationsquellen, Standesamt  

Ehrhardt Hochzeit Standesamt 20.04.07 029
Ich habe neulich eine Anfrage bekommen, wo sich um standesamtliche Urkunden aus dem Jahr 1911 handelte. 1911 war vor 100 Jahren und die alte Urkunden können sich nach der “100 Jahre Regel” entweder noch im Standesamt oder schon im Staatsarchiv befinden. Wie kann man sie finden?

Alte Dokumente werden wie ich schon früher erwähnt habe nach 100 Jahren in das Staatsarchiv verlegt. So sagt die Theorie :) In der Praxis sieht es unterschiedlich aus. In Gleiwitz wurden vor Kurzem noch alle Dokumente im Standesamt gelagert, weil in dem Archiv.. keinen Platz dafür gab. Jetzt gibt es im gleiwitzer Archiv Urkunden bis 1905.

Und wie können Sie überprüfen wo genau sich die Dokumente aus der 100 Jahre Grenze momentan befinden? Ich würde hier wieder an die Datenbank PRADZIAD kommen, wo einfach die Bestände der einzelnen Staatsarchive durchgesucht werden können. Dort finden Sie auch die Kirchenbücher der unterschiedlichen Kirchengemeinden (katholisch, evangelisch, jüdisch usw.). Wenn der Jahrgang noch nicht auf der Liste steht heißt es, dass man danach in dem Standesamt suchen soll.
Die Suchmaske ist einfach und auch in englisch vorhanden, in meinem Handbuch finden Sie jedoch Übersetzungen der einzelnen Begriffe.

Na gut, aber was macht den eigentlichen Unterschied zwischen dem Standesamt und dem Archiv?

  • der Zugang zu den Dokumenten. In dem Standesamt müssen Sie beweisen, dass Sie mit der befragten Person verwandt sind, im Archiv duerfen Sie durchstöbern was Sie nur wollen.
  • in dem Standesamt bekommen Sie sehr selten eine Kopie. Es werden hauptsächlich Abschrifte gemacht, die teurer sind und können unvollständig sein (z.B. ohne Randvermerken ) oder Fehler haben.

Wenn Sie selbst so einen Fall haben würde ich Ihnen empfehlen ein oder zwei Jahre zu warten bis die Dokumente in das Staatsarchiv eintreffen. Dann können Sie das Archiv anschreiben und die Kopien beantragen, die für den Ahnenforscher doch von größerer Bedeutung als die Abschrifte sind.

Juni 25, 2011 · Eintrag unter: In eigener Sache, Schlesien  




 

Ich hätte nie gedacht (und meine Großmutter um so weniger) dass das handgeschriebene Kochbuch von meiner Großmutter mal in die Öffentlichkeit gehen wird.

Meine Großmutter Anna besuchte 1930 in Cosel / Oberschlesien eine Carolusstift – Haushaltungsschule.
Sie hat die Schule wohl mit Vergnügen besucht, weil sie mir viel über die Schule und die Unterrichte erzählt hat. Der beste Beweis dafür war aber, daß sie immer mit
Leidenschaft gekocht hat. Erst als eine Köchin bei den „Herrschaften“ und dann auch in der eigenen Familie. Und ich habe immer auf dem Tisch ihr handgeschriebenes Kochbuch gesehen. Das Kochbuch, das sie in der Schule geschrieben hatte.

Nach dem Tod meiner Großmutter wollte ich das Kochbuch unbedingt bekommen. Es hatte für mich nur einen sentimentalen Wert gehabt. Ich habe mich aber entschlossen alle Rezepte zu digitaliesieren und ins Internet zu stellen. So entstand die Internetseite www.RezepteAusSchlesien.com und das e-Kochbuch zum Runterladen.

Dann hat sich bei mir der Lempertz Verlag mit dem Vorschlag gemeldet, viele aus den Rezepten in einem Buch zu veröffentlichen. Da habe ich natürlich JA gesagt :)

Und so entstand das Buch “Schlesisches Himmelreich”. Schön verlegt, gebundene Ausgabe, in Deutschland kostenlose Lieferung!

Angereichert ist das umfassende Rezeptwerk mit zahlreichen Gedichten, alten Liedern und Anekdoten aus und um Schlesien, die die Tradition dieses Landes wieder aufleben lassen

Greifft zu! :)



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Juni 18, 2011 · Eintrag unter: Informationsquellen  

Bescheinigung Tamsel (Dąbroszyn)

Mein Großvater Alois Pierskalla wurde Anfang 1945 in Gleiwitz interniert und nach Ukraine geschickt. Dort hatte er Glück und wurde nicht zur Arbeit in dem Bergwerk geschickt sondern hat als “Ingenieur” (tatsächlich Kaufmann) beim Straßenbau gearbeitet. Dann wurde er Typhus Krank wund wurde nach Deutschland zurück geschickt.

Und hier beginnt der Rückweg nach Gleiwitz, was damals (Sommer 1946) schon polnisch war. Der Weg meines Großvaters war wohl für alle ähnliche Fälle gleich. Wenn auch Ihr (Ur)Großvater nach dem Krieg nach Hause, das sich schon in Polen befand zurück gekommen ist, vielleicht hat er die gleichen Orte besucht.

Der Rückweg hat mit einer Bescheinigung vom 11.06.1946 aus dem Krankenhaus in Fürstenberg a. Oder angefangen.
Dann wurde ihm am 16.06.1946 in Leipzig (?) ein „Flüchtlings-Pass und Gesundheitsbescheinigung“ ausgestellt. Wie es drauf steht: „Dieser Ausweis berechtigt zur Inanspruchnahme der öffentlichen Flüchtlingsbetreuung, zur vorläufigen und endgültigen Unterbringung“. Auf der Rückseite (und auf der Rückseite der Krankenhaus-Bescheinigung) befinden sich Tagesstempel (02.07.1946 – 11.07.1946) aus Berlin Wannsee. Ich nehme an, sie dienten als Essensmarken.

Wie ich neulich erfahren habe, in Berlin (wahrscheinlich eben Wannsee) befand sich eine Polnische Repatriierungsmission (Polska Misja Repatriacyjna) und von dort aus wurden die Transporte nach Dąbroszyn (Tamsel) geschickt.
Der Empfangspunkt des Staatlichen Repatriierungsamtes (Państwowy Urząd Repatriacyjny) in Dąbroszyn wurde im Februar 1946 geöffnet und arbeitete bis zu Frühling 1949. Hier wurden Polen empfangen, die aus Deutschland, Frankreich und anderen westlichen Staaten gekommen sind. Hier kamen auch Wehrmachtgefangene, die aus den russischen Gefangenenlager gekommen sind und vor 1939 eine polnische Staatsangehörigkeit hatten. Mein Großvater war vor 1939 ein deutscher Bürger (wohnte doch auch in Deutschland), diese Teilung war wohl nicht so ganz genau.
In Tamsel wurden diese Personen verhört (es wurden Spionen befürchtet) und dann bekamen sie Identifikationsunterlagen, Tickets für den Zug und sie durften weiter bis zu ihren Ziel reisen.

So war das auch in dem Fall meines Großvaters. Er hat in Tamsel eine Bescheinigung bekommen (die erste in der polnischen Sprache), dass er sich dort am 13.07.1946 gemeldet hat und dass er vor hat nach Gleiwitz zu fahren. Der Bescheinigungsinhaber sollte sich innerhalb von 14 Tagen bei der Miliz melden. Auf der Rückseite gibt es einen Stempel mit der Information, dass er auf den Weg 100 Zloty bekommen hat und einen anderen, dass er sich am 16.07.1946 bei der Miliz in Gleiwitz gemeldet hat.

Endlich zu Hause, bei der Frau und Kinder :)

Die Akte des Empfangspunktes in Tamsel, sowie die Listen der angekommenen Personen befinden sich im Staatsarchiv Posen.

Hier: http://szukajwarchiwach.pl/53/918/0/13.14/#tab2 kann man Signaturen der Akten finden.

In der Karte „Jednostki” befinden sich die Verzeichnisse der hemgekehrten Personen (“Ewidencja repatriantów”) und Berichte von der Tätigkeit („Sprawozdania z działalności”)

In der Karte „Serie” gibt es auch andere Abteilungen des Repatriierungsamtes.

Die Archivbestände gibt es leider (noch?) nicht online, aber die Recherchen werden viel einfacher, wenn man die genaue Signatur kennt.

Schreiben Sie ein Kommentar, wenn Sie auch andere Rückwege kennen oder wenn Ihnen diese Informationen behilflich waren :)

April 27, 2011 · Eintrag unter: Archive, Informationsquellen  

Salt Lake City Temple

Es ist immer wieder schön, wenn man im Internet Quellen findet, die den Besuch in einem Archiv oder eine lange Reise ersparen. Oder sogar den Zugang zu diversen Daten ermöglichen.

Weltbekannt sind die Mormonen-Archive bei www.familysearch.org. Um in der umfangreichen Datenbank stöbern zu können musste man bis jetzt erst ein Zentrum der Mormonen finden, dann dort die Mikrofilme bestellen und erst dann hatte man die Möglichkeit in die alte Kirchenbücher einen Blick zu werfen.

Diese Zeiten sind jetzt langsam vorbei. Die Mormonen Bestände werden nach und nach ins Netz gestellt. Zur Zeit gibt es nicht sehr viele polnische Kirchenbücher online, aber einige Ahnenforscher können sich schon freuen.

Die Online Datenbank für Polen ist unter folgendem Link zu finden:
https://www.familysearch.org/search/collection/list#page=1&countryId=1927187
Hier kann man sehen was schon verfügbar ist, in Diözesen geteilt, dabei sieht man wann die Daten letztens geändert oder ergänzt wurden. Momentan ist die Diözese Radom sehr umfangreich verfügbar. Es lohnt sich auch bei “Poland, Roman Catholic Church Books, 1600-1950″ reinschauen. Wen man den Text „Browse through xxx images“ anklickt gelingt man zu den Kirchenbücher aus der Gegend von Kattowitz, Oppeln, Kielce, Lublin und Łódź (das ist wie gesagt der heutiger Stand, mit der Zeit kann sich hier viel ändern).

Die Kirchenbücher werden als Bilder dargestellt, die man beliebig vergrößern, drehen, drucken und speichern kann.

Der Anfang wurde also gemacht. Ich hoffe, dass mit der Zeit immer mehr Kirchenbücher online gestellt werden, irgendwann vielleicht auch alle. Alle, die von den Mormonen verfilmt wurden, was nicht immer der Fall ist. Ein bekanntes „schwarzes Loch“ ist z.B. die Diözese Kattowitz. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. :)

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